Is it Love?

Liebe geht durch die Marken. Man verzeihe mir solche Kalauer angesichts der weiter grassierenden Liebestollheit im Marketing:

“Wir lieben Schuhe” (Zalando)

“Wir lieben Düfte” (Taoasis)

“Wir lieben fliegen” (grammatisch rustikal von Condor)

“Wir lieben Autos” (Opel)

“Wir lieben Ihr Zuhause” (Schornsteinfeger in Niedersachen, Schleswig-Holstein, Berlin)

“Wir lieben Marken” (eine Kanzlei für Markenschutz)

usw. usf.

Wenn man nicht mehr weiterweiß, versucht man es mit Beteuerungen. Dennoch musste Erich Mielke 1989 erstmals in seinem Leben als allmächtiger Stasi-Chef miterleben, wie einige seiner unnachahmlichen Sätze nur Glächter, Hohn und Spott ernteten. Er hatte vor der DDR-Volkskammer gesagt: „Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na, ich liebe doch – Ich setze mich doch dafür ein.“

Es gibt Zeiten und Orten, an denen derartige Beteuerungen nichts zu suchen haben. Barack Obama, um in der Politik zu bleiben, betont beim Einreten nationaler Tragödien eins ums andere Mal, wie betroffen er persönlich sei, wie ihn das alles nahegehe. Konstruktive Antworten bietet er nicht. Emotionen statt Lösungen.

Nun hat irgendwann einmal eine Werbeagentur mit einer Marketingstudie und der Befragung einer Fokusgruppe herausgefunden, dass die Menschen anscheinend ein dringendes Bedürfnis nach den Liebesschwüren von Unternehmen ihrer Arbeit gegenüber  haben.” Welcher Kunde kann sich bei der rauschenden Präsentation dagegen wehren und sagen: “Nein, tun wir nicht!” Und so grassiert die werbemäßige Lustseuche.

Doch was ist von solchen Claims mit Schmetterlingen im Bauch zu halten? Sehr offensichtlich möchte da jemand das Herz des Kunden mit Kriechaktivitäten durch den rückwärtigen Eingang erobern. Anders kann ich mir das nicht denken. Es bleibt nach dem Kosten solcher süßlichen und laut vorgetragenen Botschaften der  schale Nachgeschmack, dass es hier womöglich jemand nicht ganz aufrichtig meint.

Wie muss es beispielsweise um Opel bestellt sein, wenn mir hoch und heilig versichert wird, dass jeder einzelne Angestellte dort Autos liebt? Jüngstes Beispiel: Die Ärzte-Kampagne “Ich arbeite für Ihr Leben gern”. So viel Anbiederung, Arroganz, Falschheit und versteckte Drohung in nur einem Satz. Chapeau, Kollegen!

Liebe gehört nicht in die Werbung. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass Marketing etwas Wunderbares zu einem hohlen Begriff macht, der keinem mehr etwas bedeutet und schnell dahingesagt ist.

 

 

 

Dieser Eintrag wurde geposted amFreitag, April 26th, 2013zu05:40und ist abgelegt unterAllgemeinSie können alle Antworten zu diesem Eintrag folgen durch den RSS 2.0feed. Sie können einen Kommentar hinterlasse , oder trackback von deiner eigenen Seite You can leave a response, or trackback from your own site.

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