Kommt die Entmündigung des Kunden?

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Seit 2. August 2026 gilt in der EU die im AI Act geregelte Offenlegungspflicht von KI-Inhalten. Für Berufe, die mit sogenannter künstlicher Intelligenz Konkurrenz bekommen haben, ist das eine gute Nachricht. Sie hat etwas mit Qualität, mit Werten und nicht zuletzt mit Menschlichkeit zu tun. 

Doch gibt es einige Ausnahmen: Man kann beispielsweise mit KI erstellte Texte ohne Kennzeichnung veröffentlichen, nachdem ein Mensch prüfend und redigierend eingegriffen hat. Oder bei kommerziellen Produkttexten, die nicht von öffentlichem Interesse sind. Das lässt großen Spielraum. In der Praxis ist das wohl auch nicht immer nachzuprüfen.

Und so klafft in dieser Frage die Schere weit auseinander. In Zukunft wird sich durch die Produkte von KI immer mehr die Spreu vom Weizen trennen. Eindimensionale technische Beschreibungen und Standard-Textmodule lassen sich synthetisch erzeugen und benötigen immer weniger menschliche Intelligenz bei ihrem Zustandekommen. Aber alles andere? 

Menschliche Texte sind wichtiger denn je.

Denn was ist von einem Unternehmen zu halten, das seine Kunden nur noch mit Sprache aus der Maschine anredet? Es reduziert sie dadurch auf den Status von Verbraucher-Robotern. Die Leute erkennen glatte, seelenlose, austauschbare Texte, die ihre nichtssagenden Gedanken wiederholen und sich an Schlüsselbegriffen festhalten, die den kleinsten gemeinsamen Nenner abbilden. 

Es ist zu befürchten, dass diese Warnung vielen egal ist. Die Generation Tik-Tok unterhält sich lieber mit der KI als mit Freunden. Und wie jüngst zu lesen war, finden viele Depressive im KI-Chatbot einen besseren Therapeuten als den Menschen mit entsprechender Qualifikation. Offenbar ist einer der Gründe folgender: Die KI redet mir nach dem Mund. Sie widerspricht nicht, bestätigt mich und gibt mir Anerkennung.  Wer seine Kunden nicht als handlungsunfähige Babies wahrnimmt, sollte besser gegensteuern. Es könnte sich lohnen.

Ulrich Hegel, Vorsitzender der Deutschen Depressionshilfe, hat sich in einem Interview mit WELT ziemlich drastisch geäußert:

„Ich glaube, die KI ist der Anfang vom Ende der Menschheit. Von unserem Selbstwertgefühl wird nicht viel übrig bleiben, wenn die KI in Kürze ungleich besser denkt, dichtet und tröstet. Es werden Selbstentmündigung und Selbstdemütigung stattfinden, wir werden überflüssig, Sinnlosigkeit, Verwahrlosung und Laster breiten sich aus.  Zudem gibt es eine nie dagewesene Machtkonzentration in den Händen einer winzigen IT-Elite, von der ich nichts Gutes erwarte.“

Es kann nicht schaden, wenn man als Werbetexter, Marketinger, PR-Profi und sonstiger Werbetreibender fünf Minuten darüber nachdenkt. Oder sich die Zeit spart und sich von ChatGPT eine Zusammenfassung in drei Bulletpoints besorgt.

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