Die Rückkehr zu meinen Wurzeln

Neuschwanstein Blog

Es geschah aus einer Laune heraus. Ich meldete mich vor ein paar Wochen bei den beiden Tageszeitungen meiner Region – Allgäuer Zeitung und Schongauer Nachrichten (Münchner Merkur) – und bot meine freie Mitarbeit an. Gelegentlich, wenn Zeit und Lust da waren und mir das Thema gefiel. Oder ich selbst ein Thema einbringen konnte. Nach wer weiß wie vielen Jahren schlüpfe ich jetzt ab und an wieder in die Rolle des Reportes. Und das tut mir richtig gut!

Pressearbeit habe ich ja immer wieder auf dem Schreibtisch. Es ist aber etwas ganz anderes, selbst wie eine Art Columbo vor Ort am Geschehen zu sein, wie ein Ermittler Fragen zu stellen, Hintergründe aufzudecken und daraus eine möglichst spannende Geschichte zu stricken. Die Fotos liefere ich gleich mit. In meinem früheren Leben als verschlagen-kompromissloser BILD-Reporter hatte ich immer einen Fotografen an meiner Seite, der mit allen Wasser gewaschen war. Heute erledige ich das gleich mit. Ein Profi am Auslöser bin ich dadurch nicht geworden. Aber auch dieser Teil des Jobs macht mir unbändigen Spaß.

Der von mir wieder entdeckte Journalismus hat viel mit Nostalgie zu tun. Ich will wissen, ob ich’s noch kann. Zugleich habe ich so eine neue Ebene hinzugewonnen, um meine Wahlheimat tiefer und gründlicher kennenzulernen. Im Ostallgäu ist es ein bisschen herausfordernd, als Zugezogener neue Leute abseits eingelaufener Wege kennenzulernen. Jetzt mache ich in einer Woche die Bekanntschaft der unterschiedlichsten und interessantesten Typen der Region. Ich interviewe Landpfarrer über Gipfelkreuzsegnungen, laufe beim Viehscheid vor den Schumpen – so nennt man bei uns die Jungrinder – oder stelle eine Malerin aus dem Voralpenland mit ihren Bildern vor. Ich bin Klassikfan. Vor ein paar Tagen fand in Füssen das Kammermusik-Festival Vielsaitig statt. Im barocken Kaisersaal kamen die drei Gambensonaten von Bach zur Aufführung. Auch ich gehörte zum Publikum und schrieb noch in derselben Nacht begeistert fast eine halbe Zeitungsseite voll – meine erste fundierte Konzertkritik übrigens. Da ist man schon ein bisschen stolz.

Journalismus und Werbung sind schon verschiedene Seiten verschiedener Medaillen. Der Reporter schreibt nach eigenem Gusto über sein Thema. Die Leser schauen durch seine Augen. Es gibt keinen werblichen Kundenauftrag, wohl aber eine besondere Verantwortung. Marketingjargon ist hier nicht gefragt. Anders als bei Werbe-Kommunikationsmitteln müssen die Leute Geld ausgeben, um meine Artikel zu lesen. Das macht wählerisch und natürlich kritisch. Gut so! Was aber beide Welten gemeinsam haben: Gutes Storytelling ist unverzichtbar. Man muss schon etwas zu erzählen haben und wissen, wie das geht.

 

 

 

 

 

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